Dezember 2019 Theaterfahrt zum Stadttheater Augsburg

Theaterfahrt der Berufsfachschulen für Kinderpflege zum Stadttheater Augsburg

In der Vorweihnachtszeit ist es eine liebgewordene Tradition, dass die Lehrkräfte und Schüler*innen der Berufsfachschule für Kinderpflege das Weihnachtsstück des Stadttheaters Augsburg besuchen. Dieses Jahr kam der Jugendbuchklassiker „Die rote Zora und ihre Bande“ von Kurt Held zur Aufführung. Die stark verfremdete, eher abstrakte Umsetzung des Romans als Theaterstück war für die Schüler*innen eine Herausforderung, so führte die kreative Entscheidung, die Kinder als Möwen darzustellen, bei den meisten zu allerhand Verwunderung.

Die in der Buchvorlage implizite Sozialkritik an einer Gesellschaft, die unschuldig in Not geratene Kinder ausgrenzt, wurde im Stück bei aller Verfremdung deutlich. Es wurde – nachvollziehbar für alle Schüler*innen – von Kindern am Rande der Gesellschaft erzählt, die ohne Eltern und ohne Zuhause aufwachsen müssen und bis auf den Fischer Gorian keinen haben, der sie akzeptiert, sondern vor allem eins: unbändigen Hunger – nach Essen, nach Wärme, Liebe und Anerkennung.

„Früher war hier Wasser, früher war hier das Meer. Das Meer schwindet dahin, alles ist trocken. Alles trocknet aus“. – diese Worte aus dem ersten Akt haben zu Zeiten von „Fridays For Future“ eine wegweisende Bedeutung und waren treffend gesetzt. Hier konnten die Schüler*innen ebenso anknüpfen wie an den Leitspruch der Kinder und des Fischers: „Du musst nach vorne gehen!“ Trotz aller Widrigkeiten lassen sich die Kinder rund um die „rote Zora“ vom Leben nicht unterkriegen – eine wichtige Botschaft an die Schüler*innen für ihr Leben.

Insgesamt regten das Stück und seine kontroverse Inszenierung zu interessanten Gesprächen an, z.B. über die Natur des Diebstahls, die Altersempfehlung für die Inszenierung, die Kostüme, die Musik und die Lieder sowie weitere Aspekte der schöpferischen Umsetzung.

Das Publikum dankte den Schauspieler*innen mit lebhaftem Applaus.

Wie immer endete unsere Theaterfahrt mit einem Besuch auf dem Augsburger Christkindelmarktes, der mit all seinem vorweihnachtlichen Zauber sicherlich ein Kontrastprogramm zur Gesellschaftskritik der „Roten Zora und ihrer Bande“ bot.

V. Gerstmeyr-Praßler